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Wir sind es
gewohnt beim Denken auch Bilder zu Hilfe zu nehmen, um uns etwas
zu verdeutlichen oder besser verständlich zu machen. Nur
abstrakt zu denken gelingt uns meist nur in der Mathematik,
oder in artverwandten Fächern, bzw. entsprechenden Aufgabenstellungen.
Jedoch selbst
Mathematiker oder Gedächtniskünstler greifen auf bildhafte
Vorstellungen zurück, wenn es darum geht, einen Bezug des
Abstrakten zum Realen herzustellen. Denn das Abstrakte ist ja
niemals Selbstzweck, sondern steht im Dienst der Wirklichkeit.
Und die ist - wie wir aus unserer unmittelbaren Erfahrung wissen
- bildhaft materiell. Auch wenn dahinter eben abstrakte
Ordnungs- und Funktionsprinzipien stecken, nach denen die Dinge
so ablaufen müssen wie sie stattfinden.
Wir haben
es zunächst immer mit der dinglich anschaulichen Welt zu tun,
woraus wir dann auch unser Weltbild formen. Doch bei aller sich
ständig steigernden Reizüberflutung an Bildern und
Eindrücken, gelingt es uns immer weniger das Wichtige und
Wesentliche vom Unwichtigen und Unwesentlichen zu unterscheiden, und den wahren Sinn des Wahrgenommenen zu
erkennen.
Es sind
darum ganz bestimmte bildhafte Vorstellungen, die in uns
hochkommen, wenn wir an die Ereignisse um das Jahr 30 im
damaligen Israel denken. Früher waren es die Gemälde
bekannter Meister. Heutzutage sind es vielmehr die
spektakulären Kino- und Fernsehfilme genialer Filmregisseure.
Kindlich und längst überholt muten uns die zumeist mangelhaften
Vorstellungen vom lieben Gott, als eines alten und weißbärtigen
Greises an, wie sie zum Beispiel auf mittelalterlichen Dreifaltigkeitsbildern
zu sehen sind. Dort versuchte man Gott Vater vom Gott Sohn
durch sichtbaren Altersunterschied unterscheidbar zu machen. Das
Bild, welches man sich von Jesus zu machen versuchte, war in
frömmlerischer Weise stark verzerrt worden.
Vielen
modernen Menschen nun erscheinen die christlichen Glaubensaussagen
über die anscheinend so abwegig weltfremden Ereignisse wie
Auferstehung und Himmelfahrt als absolut unnachvollziehbar
verrückt. Solche Dinge passen da einfach nicht in ihr gewohntes Weltbild, und liegen wenn überhaupt dann auch noch
circa 2000 Jahre zurück. Doch sollten alle Skeptiker und
Zweifler bedenken, dass sämtliche bildlichen Darstellungen zu
welcher Zeit und von wem auch immer, das im
wesentlichen Unbegreifbare - und deswegen auch Unabbildbare - eben nicht
verbildlichen können. Gleich welche Versuche man unternimmt, den
an sich unfasslichen Vorgang in irgend ein Klischee zu gießen
oder in eine Form zu bringen, sie müssen scheitern. Denn alles
was rein geistig vor sich geht, entzieht sich jeglicher
Abbildbarkeit. Ungegenständliches lässt sich gegenständlich
nicht darstellen, so dass derart untaugliche Versuche ein
Ausdruck von naiver Hilflosigkeit sein müssen, und das
Wesentliche verfehlen.
Was ist nun
das Wesentliche? Die Antwort geben uns die christlichen
Urgemeinden. Sie glaubten felsenfest, dass Gott der Herr in
Jesus von Nazareth persönlich anwesend gewesen war. Und dass
sein Tod am Kreuz dem Triumph des Lebens über den Tod diente,
zur Ehre des Herrn, dem Allmächtigen und ewig Lebendigen. Auch
waren sie der zweifelsfreien Überzeugung, dass der Weltabschied
des leibhaft Auferstandenen nach 40 Tagen in Form der so
genannten Himmelfahrt, in einer unvorstellbaren Weise geschah,
die zu allen Zeiten mit den Mitteln bildlicher Darstellung immer
nur bloßes Symbol sein kann.
Die Zeugen
Jesu und insbesondere des Auferstandenen waren niemals so
ahnungslos, dass sie
Unerklärbares nicht vom Erklärbaren unterscheiden konnten. Sie wussten
aus Erfahrung sehr genau, was die Naturordnung war. Und demzufolge beschrieben sie
jenes, was sie
erlebten, deutlich als von den Kategorien dieser Naturordnung nicht fassbar.
Jedoch hatten sie es erlebt, und dieses Erlebnis hatte auf ihr Leben
umwälzenden Einfluss. Für uns ist es völlig unerheblich, ob
und wie wir uns "Himmelfahrt" vorzustellen vermögen.
Worauf es ankommt, das ist einzig und allein ein wagendes
Glaubensbekenntnis, dass Jesus als letzter biblischer Prophet, Gottesgesandter, Wundertäter und Gekreuzigter, vom ewigen Herrn
zu dessen Ehre und Glaubwürdigkeit aus dem Tod in das Leben
zurückgeholt wurde. Und nicht nur einfach wie Lazarus zurück
in diese zeitliche Welt, sondern aus dieser Welt heraus in die Transzendenz des
unzugänglichen Lichtes beim Vater. Dereinst am Ende der
Zeit wird er aber zu seiner Zeit an seinem Ort in seiner
geschichtlichen Wirklichkeit in Israel zu ewiger Herrschaft
wiederkehren, wie er es nach seiner Auferstehung den Jüngern
verkündet hatte.
Von dort
schickte er an Pfingsten seinen Heiligen Geist über die
Urgemeinde, damit wir begreifen, dass er der Anbetungswürdige
in Herrlichkeit ist, vor dem alle in die Knie zu gehen haben.
Denn er lenkt die Geschicke der Welt, bei uns seiend bis eben
zum letzten Tag von Zeit und Welt. Nur wenn uns das bewusst ist,
und wenn wir uns darauf einstellen, bekommen wir eine ungefähre
Ahnung was Himmelfahrt heißt. Denn über die Teilhabe aller
Glaubenden am Leib Christi erhalten wir auch Anteil an seiner
Himmelfahrt, welche aus weltlicher Sicht für ihn nur noch
Vergangenheit doch
für uns jegliche Vorstellungskraft übersteigende Zukunft
ist.
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